"Ausbildungsinitiative Energieeffizienz" startet durch

- Staatssekretär Thomas Rachel (2. v. l.) übergab den Bewilligungsbescheid für das Projekt „Ausbildungsinitiative Gebäudeenergieeffizienz“ an Hauptgeschäftsführer Meinolf Niemand (links) und Präsident Willy Hesse (rechts). Darüber freute sich auch der Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Patrick Sensburg. Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken.
Der Name ist Programm: „Jobstarter – Für die Zukunft ausbilden“. Genau an dieser Stelle setzt das Projekt „Ausbildungsinitiative Gebäude-energieeffizienz“ an, für das die Handwerkskammer Südwestfalen jetzt den Bewilligungsbescheid erhalten hat. Zur Übergabe besuchte der parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF), Thomas Rachel, das Berufsbildungszentrum (bbz) in Arnsberg. Drei Jahre lang erhält die Kammer zur Realisierung des Projekts Fördermittel aus dem Europäischen Sozialfonds und vom BMBF in Höhe von insgesamt 354.000 Euro. Weitere 90.000 Euro trägt die Kammer selbst.
Bundesweit werden in der nunmehr fünften Förderrunde 46 Projekte unterstützt, sieben davon allein in Nordrhein-Westfalen. Staatssekretär Rachel machte in Arnsberg deutlich, warum die Entscheidung für das Projekt der Handwerkskammer gefallen sei: „Jeder fünfte Arbeitnehmer ist im Handwerk beschäftigt“, hob er hervor. Das 39 Prozent der Betriebe ausbilden, sei eine „bemerkenswerte Zahl.“ Veränderungen in der Region, wie der Rückgang der Erwerbstätigen um rund 20 Prozent bis 2025, ein deutlicher Rückgang der Hauptschulabgänger und im Jahr 2013 die Verdopplung der Abiturienten fordern dazu heraus, die Ausbildungsstrukturen und Karrieremöglichkeiten zu verbessern. Daher sei die „Ausbildungsinitiative Gebäudeenergieeffizienz“ ein „hochinteressantes Modellprojekt“.
Wie mit diesem Projekt der Entwicklung des Handwerks in Südwestfalen Rechnung getragen wird, erklärte HwK-Mitarbeiter Hans-Josef Walter, der den Antrag „Ausbildungsinitiative Gebäudeenergieeffizienz“ federführend betreute. Rückläufige Schulabgängerzahlen, ein schrumpfendes Potenzial an Erwerbspersonen und überalterte Betriebe rücken die Nachwuchsproblematik in den Focus: Das Handwerk in Südwestfalen braucht zur Sicherung der Betriebe qualifizierte Fachkräfte, doch insbesondere Abiturienten zieht es bislang nicht in diese Berufe – teils aus Unkenntnis, teils auch wegen fehlender Karrieremöglichkeiten. Diesen Trends steht eine Entwicklung gegenüber, die Zukunftsperspektiven eröffnet:
Die effizienten und neuen Energietechnologien verändern die beruflichen Tätigkeiten in den Gewerken Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik wie auch bei den Elektronikern mit Schwerpunkt Gebäudetechnik in rasender Geschwindigkeit. Die Beschlüsse der EU, bis zum Jahr 2020 den Energieverbrauch vor allem durch die Steigerung der Energieeffizienz um 20 Prozent zu reduzieren und gleichzeitig den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen, forcieren diese Dynamik. Hiermit steigen die Anforderungen im Handwerk enorm. Eine Herausforderung ist es daher, die branchenspezifischen Ausbildungs- und Studienangebote auszubauen.
Vor diesem Hintergrund hat die Handwerkskammer Südwestfalen das Projekt „Ausbildungsinitiative Gebäudeenergieeffizienz“ für folgende Zielgruppe entwickelt: SHK-Anlagenmechaniker, Elektroniker der Fachrichtungen Energie- und Gebäudetechnik, Betriebstechnik oder Gebäude- und Installationssysteme, Informationselektroniker und Maurer. In diesen Berufen sollen in den nächsten drei Jahren 150 zusätzliche Ausbildungsplätze geschaffen werden. Diese Ausbildung geht mit einem berufsbegleitenden Studiengang „Energieeffizienz“ einher, den das Berufsbildungszentrum (bbz) der Handwerkskammer in Kooperation mit der Fachhochschule Südwestfalen entwickeln und anbieten wird. Hierzu finden sich in den mit neuester Technologie ausgestatteten Fachbereichen im bbz Arnsberg ideale Bedingungen.
Mit der Übergabe des Bewilligungsbescheids kann die „Ausbildungsinitiative Gebäudeenergieeffizienz“ an den Start gehen. Im ersten Schritt steht ab Januar die Sensibilisierungs- und Informationskampagne bei Betrieben und Schulen an, dem sich die Akquise von zusätzlichen Ausbildungsplätzen und Auszubildenden anschließt. Parallel dazu läuft gemeinsam mit der Fachhochschule Südwestfalen die Entwicklung des berufsbegleitenden Studiums. Welche Vorteile ein berufsbegleitendes Studium den Absolventen bringt, erläuterte Prof. Dr. Jürgen Bechtloff aus Sicht der Fachhochschule Südwestfalen: Die permanente Rückkopplung von Theorie und Praxis bewertete er als ausgesprochen positiv, zudem „weitet die Doppelqualifizierung die Berufsfähigkeit erheblich aus.“ Und auch die Förderung der Sozialkompetenzen darf man nicht unterschätzen.


