Motivationsschub hin zum Handwerk
Hagen in Westfalen besitzt das einzige Freilichtmuseum Europas, das zu Ausflügen in die Geschichte von Handwerk und Technik einlädt. Anfang Juli erhielt es Besuch aus der Gegenwart. Das Handwerk stellte seine aktuellen Berufe und Ausbildungsangebote vor. „Nicht fürs Museum – Moderne Berufe mit Tradition“, war das Motto. Die Aktion richtete sich an Jugendliche in der Berufsfindung und an deren Lehrer.
„Wir betonen im Handwerk gern den Wert der Tradition. Wichtig ist uns aber das aktuelle Bild“, meinte Willy Hesse, der Präsident der Handwerkskammer Südwestfalen, bei der Eröffnung. So konnten interessierte Jugendliche im Sensenhammer, in dem die historische Herstellung von Sensen und Sicheln vorgestellt wird, die Wirkung von Druckluft selbst ausprobieren. Dazu hatten die Feinwerkmechaniker aus dem Berufsbildungszentrum Märkischer Kreis eine Pneumatikwand aufgebaut. Im „Messingstampfhammer“ saß ein Auszubildender zum Zahntechniker an einem Arbeitstisch und erläuterte das Material und seine Handgriffe. Auch hier konnten interessierte Jugendliche ihr Geschick ausprobieren. Genaue Auskünfte zum Beruf gab Lehrlingswart Peter Herzog von der Zahntechnikerinnung Arnsberg.
Alt neben Neu, historische Geräte und Arbeitsweisen neben modernem handwerklichem Knowhow, eingebettet in das naturnahe Ambiente des Geländes – die Aktion war „eine coole Sache“, fand Fabio Jeronim von der Gesamthauptschule (GHS) Rahmede in Altena. Mit drei anderen Jungs hatte er den Eignungstest für Kfz-Berufe absolviert und 9 von 10 Punkten erreicht. Sein Berufsziel kannte er schon: Kfz-Lackierer. Für einen Beruf entschieden hat sich auch schon Steffi Carle aus der Schule Volmetal in Meinerzhagen. Sie will Malerin werden und steuerte gezielt den Stand der Maler und Lackierer an. Unter Anleitung von Ausbilder Pietro Zedda gestaltete sie mit Malerrolle und Schwamm ein Brett in der modernen Wischtechnik.
„Für die Schüler bedeutet der Besuch einen Motivationsschub“, stellte Walter Schmidt, Lehrer an der Schule Volmetal, fest. Auch die Lehrkräfte wurden fündig. Annette Gerhards, Lehrerin an der GHS in Altena, meinte: „Den Einstellungstest der Tischler werden wir in der Schule machen.“
Positiv und zukunftsweisend erwies sich die Aktion auch aus Sicht des Handwerks. Institutionen und Betriebe aus zwei Handwerkskammerbezirken warben gemeinsam an einem Ort, der weit über die Region hinaus Strahlkraft besitzt, für die Wirtschaftsmacht von nebenan. 22 Betriebe aus 14 Gewerken beteiligten sich, Berufsbildungszentren und Innungen waren vertreten. Der Fachverband der Tischler NRW und die Erste Deutsche Bäckerfachschule Olpe präsentierten ihre Gewerke. Die Kreishandwerkerschaft Hagen schickte ihr Ausbildungsmobil. Auch die Ausbildungsberater der Handwerkskammern Dortmund und Südwestfalen berieten und informierten die Jugendlichen.
Die Resonanz war beachtlich: Schon vorab hatten sich 1.500 Schülerinnen und Schüler aus beiden Kammerbezirken angemeldet. Dazu kamen weitere Schulklassen aus ganz NRW, aus Bochum und Düsseldorf, aus Gronau und Paderborn. Das große Interesse bestätigte die Einschätzung Willy Hesses bei der Eröffnung: „Die Aktionswoche ist für mich ein wichtiger Bestandteil der Imagekampagne.“
>>> zurück zu Aktuelles





