Hauptgeschäftsführer Wolfgang Boecker verabschiedet

26.9.2008. Er verabschiedete sich so, wie man ihn oft gehört hatte: Mit einer unterhaltsamen Rede, mitunter gewürzt mit leicht ironischen Anklängen, setzte Hauptgeschäftsführer Wolfgang Boecker nach 35 Jahren Handwerkskammer Südwestfalen – bei seinem Eintritt im Jahr 1973 noch Handwerkskammer Arnsberg – den Schlusspunkt am Ende seines Berufslebens.
Der Stabwechsel, die Verabschiedung von Wolfgang Boecker und die Vorstellung seines Nachfolgers Meinolf Niemand, war eingebettet in das diesjährige Sommerfest der Handwerkskammer mit über 300 Gästen im Berufsbildungszentrum. Augenzwinkernd stimmte Boecker die Zuhörer auf seine Rede ein, indem er Oscar Wilde zitierte: „Man sollte jeder Versuchung nachgehen, man weiß nie, ob sie noch einmal kommt.”
Doch weder eine Abrechnung mit dem einen oder anderen noch eine handwerkspolitische Grundsatzrede hatte der scheidende Hauptgeschäftsführer im Sinn, sondern vielmehr fand er mitunter launige persönliche Worte. Als sich der Diplom-Kaufmann nach erfolgreich abgeschlossenem Studium der Wirtschaftswissenschaften während einer Rundreise bei mehreren potenziellen Arbeitgebern vorstellte, „wusste ich gar nicht, dass es eine Handwerkskammer gibt.” Doch er habe Gefallen daran gefunden und entschieden: „Ein bis zwei Jahre kann man es versuchen” – zumal auch die Bezahlung stimmte. 35 Jahre sind daraus geworden, 35 Jahre, in denen viel passiert ist. Zunächst als betriebswirtschaftlicher Berater, später dann von 1986 bis 1992 als Leiter der Abteilung Betriebsberatung lernte er das Handwerk in Südwestfalen kennen. Danach änderte sich sein Aufgabenschwerpunkt: Als Leiter des Dezernats Berufsbildung setzte er sich engagiert für die Nachwuchsförderung im Handwerk ein.
Als Geschäftsführer im Jahr 1993 und ein Jahr später als stellvertretender Hauptgeschäftsführer übernahm Boecker mehr und mehr Verantwortung für die Kammer, im Jahr 2000 wurde er dann zum Hauptgeschäftsführer gewählt. Vor den Augen der Zuhörer ließ Boecker einige „kleinere Dinge, zu denen ich beitragen konnte” lebendig werden: 1988 der Start des Lehrgangs zum „Betriebswirt des Handwerks”, ein Erfolgsmodell, das zur Zeit in die 52. Runde geht, Zertifizierung der Bildungszentren, Lehrlingsaustausch, Weihnachtsgalerie, Kunstsommer und der Neubau von Internat und Kundenzentrum im bbz sowie die grundlegende Modernisierung der Werkstätten sind eng mit dem Hauptgeschäftsführer verbunden. Dazu aber braucht man Unterstützung: Boecker dankte Vorstand, Vollversammlung und Kollegen ebenso wie den Mitarbeitern, „die das Leben leicht gemacht haben.” Die kleinste Kammer in Nordrhein-Westfalen „ist sehr gut gerüstet, sie hat ein tolles Team, an dessen Spitze jetzt Meinolf Niemand steht.” Seinem Nachfolger wünschte Wolfgang Boecker Glück in Anlehnung an eine Bedeutung des griechischen Wortes „Eutychia”: Die Fähigkeit, dieses Glück zu empfinden. Dies aber gilt auch für Boecker selbst: „Zunächst wird es Dir vorkommen wie der Beginn eines wunderschönen, langen Urlaubs”, stimmte ihn Kammerpräsident Willy Hesse in seiner Laudatio auf den Ruhestand ein und machte in einem Zahlenspiel deutlich, was hinter 35 Jahren Handwerkskammer steckt: 7747 Arbeitstage, 1840 Arbeitswochen, 3680 Wochenendtage, 1000 Tage für Kurzurlaube, 400 Feiertage. Herzlich dankte der Präsident für die „tolle Arbeit”, für das gute Miteinander bei nicht immer einfachen Entscheidungen und die freundschaftliche Zusammenarbeit, die die Arbeit wirklich erleichterte. Gleichzeitig betonte er den Wandel, der sich in den vergangen en 35 Jahren vollzogen hat: „Die Handwerkskammer ist heute nicht mehr das, was sie 1973 war: Sie hat sich von der klassischen Verwaltung zum modernen Dienstleister entwickelt.”


