Warten auf den Konjunktursommer
Arnsberg, 23.4.2008. „Das südwestfälische Handwerk blickt optimistisch in die Zukunft“, so der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen, Diplomkaufmann Wolfgang Boecker. „Allerdings gab es im zurückliegenden Jahr eine Reihe von Faktoren, die die deutlichen Wachstumssignale wieder verkümmern ließen“, und mahnt dringend an, den eingeschlagenen Reformweg fortzusetzen.
Der Gesamt-Konjunktur-Klimaindex liege mit über 102 Punkten noch immer im positiven Bereich. Allerdings verdeutliche der Kurvenverlauf auch, dass das Handwerk binnen Jahresfrist zehn Prozentpunkte eingebüßt habe. „Die drastisch gestiegenen Belastungen auf Seiten der Betriebe wie beim Verbraucher haben tiefe Spuren hinterlassen.“
Dennoch: „Der Aufschwung im Handwerk war und ist kein Strohfeuer, das bei den ersten konjunkturellen Schauern bereits wieder erlöscht. Die Herbst- und Winterstürme sind überstanden und die Betriebe erwarten wieder angenehmere Zeiten. Der Aufschwung des Vorjahres hat sich auf dem erreichten Niveau verfestigt.“
Umso dringender seien Reformen, die dem Wachstum neuen Schwung geben. Das Handwerk begrüße ausdrücklich, dass sich die Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem jüngsten Gutachten gegen heimliche Steuererhöhungen durch die leistungsfeindliche kalte Progression bei Lohn- und Einkommensbesteuerung ausgesprochen haben. Sie bekräftigten damit die langjährige Forderung des Handwerks nach einem „Tarif auf Rädern“. Hinzu kommen müsse jedoch auch eine dauerhafte Absenkung des Gesamtsozialversicherungsbeitrags auf unter 40 Prozent. „Mehr netto ist die Voraussetzung für eine dauerhafte Belebung des privaten Konsums – dass dieser endlich anspringt, ist vor dem Hintergrund der weltwirtschaftlichen Turbulenzen dringlicher denn je.“
Die sieben Handwerksgruppen:
Die Geschäftslage der Handwerke in der Gruppe Bau stellt sich gegen Ende des Winters 2007/2008 deutlich kühler dar als vor einem Jahr. Das geht vor allem auf die Entwicklung der Geschäftslage bei den Maurern und Zimmerern zurück. Positive Effekte kommen aktuell ausschließlich aus dem Bereich des Gewerbebaus, der in den zurückliegenden Monaten wieder an Bedeutung gewonnen hat.
Die Straßenbauer können von dem Modernisierungs- und Instandsetzungsstau zunehmend profitieren. Mit zum derzeit positiven Bild beigetragen hat zweifelsohne die milde Witterung, die es den Betrieben weitgehend ermöglichte, Aufträge unbeeinträchtigt abwickeln zu können.
Die Anreize zur energetischen Gebäudesanierung schlugen beim Ausbauhandwerk verstärkt zu Buche. Wärmedämmung und Heizungssanierung stehen angesichts weiter immens steigender Energiekosten bei den Verbrauchern hoch im Kurs. Allein das Maler- und Lackiererhandwerk hinkt weiter dem konjunkturellen Verlauf der anderen Ausbauhandwerke hinterher.
Der Indexwert für die Kfz-Handwerke liegt deutlich unterhalb des Durchschnitts. Das nachlassende Neuwagengeschäft konnte nicht kompensiert werden, obwohl der Werkstattbereich wieder größere Bedeutung erlangte. Als Zusatzbelastung ist zu sehen, dass die Werkstätten Leidtragende des Partikelfilter-Skandals vom vergangenen Herbst sind. Ein sinnvolles und lukratives Zusatzgeschäft war die Nachrüstaktion für Diesel-Pkw bislang für das Handwerk gewiss nicht.
Die Handwerksbetriebe des gewerblichen Bedarfs – Metall und Elektro –, die als Zulieferer aufgestellt sind, profitieren eindeutig von der boomenden Exportwirtschaft. Abgesehen vom weiterhin bestehenden immensen Kostendruck, können sie gelassen in die Zukunft blicken. Für die kommenden Monate zeichnet sich keine signifikante Veränderung ab. Gerade für diese Betriebe erweist sich der Konjunkturverlauf als sehr stabil.
Die dramatischen Einbrüche für das Nahrungsmittelhandwerk gehören endgültig der Vergangenheit an. Das Konjunkturhoch für die Bäcker, aber auch die stabile Lage für die Fleischer, hält an. Punkten können die Betriebe vor allem durch Serviceangebote aus dem Bereich des Direktverzehrs bzw. aus dem Partyservice. Zunehmend gewinnt auch die Zielgruppe der Senioren an Bedeutung, die diese Leistungen nutzen. Mit dem schnellen Fortschreiten der Alterung unserer Gesellschaft ergeben sich für die Lebensmittelhandwerke neue Geschäftspotenziale, die gezielt erschlossen und entwickelt werden müssen.
Im Gegensatz zu den Zahntechnikern stehen die Augenoptiker und die Hörgeräteakustiker stehen recht günstig da. Zwei Begriffe spielen bei den Augenoptikern eine große Rolle: Notwendigkeit und Mode. Während der eine Bereich durch Sonderaktionen abgedeckt wird, ist es andererseits gelungen, den Begriff „Brillenschlange“ vergessen zu machen und die Sehhilfe zum erforderlichen modischen Accessoire zu erklären. Kurz: „Kauf’ dir mal ’ne neue Brille – oder zwei.“
Das Handwerk für den persönlichen Bedarf konnte etwas Boden gut machen. Wenn auch die Dominanz des Friseurhandwerks in dieser Gruppe das Gesamtergebnis bestimmt, so zeigt sich doch bei genauerer Betrachtung, dass beispielsweise die höherwertigen Konsumgüter der Gold- und Silberschmiede sich stabilisieren konnten. Uneinheitlich ist demgegenüber das Bild bei den Textilhandwerken. Jeder zweite Betrieb meldet eine Verschlechterung der Geschäftslage. Das belegt nachdrücklich die dramatische Lage vieler Damen- und Herrenschneider.
Anders zeigt sich das Bild bei den Fotografen. Hochwertige Produkte haben ihren Markt und der insgesamt zu verzeichnende wirtschaftliche Aufschwung bringt auch wieder verstärkt Aufträge im Bereich Werbung und Objektfotografie.
Ausführliche Informationen stehen zum Download bereit:
>>> Vollständige Fassung des Konjunkturberichts Frühjahr 2008



