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Handwerkskonjunktur kühlt sich ab

"Gut eineinhalb Jahre lang war die wirtschaftliche Entwicklung im Handwerk Südwestfalens positiv geprägt. Das hat sich in den zurückliegenden sechs Monaten deutlich verändert&amp", sagte der neue Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen, Assessor Meinolf Niemand, bei der Vorstellung der aktuellen Konjunkturumfrage. "Diese Entwicklung ist nicht völlig unerwartet. Die Ausprägung ist aber deutlich stärker als zu erwarten war." Zwar liege der Klimaindex für die derzeitige Geschäftslage kaum niedriger als vor Jahresfrist, auf einen Durchschnittswert von 100 Punkten reduziert, liege das Handwerk mit nur noch 92,9 Punkten aber wieder deutlich im negativen Bereich. 
Aus seiner Sicht stehe Deutschland, und damit auch das Handwerk in Südwestfalen, am Rande einer Rezession. Nach den aktuellen Prognosen der Wirtschaftsinstitute sei ein Einbruch auf breiter Front zu erwarten. "Dies wird vor allem von den Problemen der Schlüsselindustrien ausgehen. Es wird mittelbar aber auch deutliche Konsequenzen für die private Nachfrage haben. Von den bisherigen Antriebskräften der Investitions- und der Exportnachfrage sind für die nahe Zukunft keine positiven Impulse zu erwarten." Auch der private Konsum werde schwach bleiben, befürchtet Meinolf Niemand: "Die Menschen sind stark verunsichert." 
Wichtig seien jetzt vor allem Vertrauen schaffende Maßnahmen. In dieser kritischen Phase müssten alle Planungen, die zu mehr Belastungen für die Wirtschaft und für die Bürger führen, auf den Prüfstand. "Die Menschen und die Betriebe brauchen ein Belastungsmoratorium: belastende Gesetzentwürfe und Maßnahmen sind im Zweifel auszusetzen und zu überarbeiten. Die Staatsquote muss trotz der zusätzlichen Lasten für die Stabilisierung des Finanzmarktes deutlich gesenkt werden, um der Konjunktur neuen Schwung zu verlei-hen." Schließlich müssten die eingeführten Instrumente zur Stabilisierung des Finanzsystems nachprüfbar dazu führen, dass es bei der Kreditgewährung an mittelständische Unternehmen wieder zu einer Entspannung kommt. Die Finanzkrise dürfe nicht zu einer Kreditkrise für den Mittelstand werden.
"Deutliche Wachstumsimpulse für das Handwerk versprechen wir uns von dem verdop-pelten Steuerbonus für Handwerksleistungen. Damit werden die privaten Haushalte als Auftraggeber deutlich gestärkt." Immerhin zeigten die gemachten Erfahrungen, dass die Absetzbarkeit von Handwerkerleistungen seit 2006 zu einer deutlichen Nachfragesteigerung bei den Verbrauchern geführt habe. Richtig sei daher auch die Aufstockung des Gebäudesanierungsprogramms. "Davon profitierten Handwerk, Vermieter und Mieter und nicht zuletzt die Umwelt." Die steuerlichen Anreize beim Neuwagenkauf könnten für die angeschlagenen Kfz-Handwerke eine wichtige Stütze sein.
 
Das Konjunkturklima für die Handwerksbereiche in Kürze:
Der Baubereich steht heute deutlich schwächer da als vor einem Jahr. Die Werte zeigen deutliche Einbußen für diesen in Südwestfalen stark vertretenen Handwerksbereich. Da der Hausneubau kaum noch eine Rolle spielt, kommen zunehmend nur noch Instandsetzungs- und Umbaumaßnahmen in die Auftragsbücher der Handwerksbetriebe. Hieraus resultiert die geringe Auftragsreichweite von 4,3 Wochen. Positive Effekte kommen aktuell ausschließlich aus dem Bereich des Gewerbebaus. Die Straßenbauer können günstigere Daten vorweisen. Wenn auch größere Investitionen der öffentlichen Hand die Ausnahme sind, so ergeben sich durch den Modernisierungs- und Instandsetzungsstau doch zunehmend Chancen. Mithin liegt der Indexwert deutlich vor dem des Hochbaubereichs. 
Die Betriebe aus dem Ausbaubereich hatten im Sommerhalbjahr einen ausgesprochen positiven Konjunkturverlauf zu verzeichnen. Die Anreize zur energetischen Gebäudesanie-rung schlugen verstärkt zu Buche. Wärmedämmung und Heizungssanierung stehen angesichts weiter immens steigender Energiekosten bei den Verbrauchern hoch im Kurs - der Abrechnungsschock im Frühjahr zeigte Wirkung. 
Der im Herbst 2008 von den Kfz-Handwerken erreichte Indexwert von rund 54 Punkten liegt noch einmal deutlich 13 Punkte niedriger als vor einem halben Jahr. Fast jeder zweite der antwortenden Betriebe spricht von einer Verschlechterung der Geschäftslage. Derzeit rechnet das Kraftfahrzeuggewerbe mit einem Abschmelzen der Umsatzrendite um immerhin ein Drittel von nicht auskömmlichen 0,6 auf ruinöse 0,4 Prozent. 
Die Zeichen für das Handwerk für den gewerblichen Bedarf stehen nicht mehr ganz so gut. Noch segelten die Zulieferer jedoch offensichtlich gut am Wind. Der Indexwert für diese Handwerksgruppe spricht mit rund 93 Prozent eine deutliche Sprache. Gerade für diese Betriebe erweist sich die internationale Finanzkrise allerdings als schnell wirksame Bedrohung. Bereits jetzt hinterlassen die Produktionseinschränkungen der Automobilindustrie deutliche Bremsspuren in den Auftragsbüchern.
Das Konjunkturhoch für die Bäcker, trotz stark gestiegener Rohstoff- und Energiekosten, hielt auch die Sommermonate über an. Ein eindeutiges Bild ergeben auch die Werte für die Fleischer: Die Mehrheit bezeichnet ihre Geschäftslage als schlecht. Punkten können die Betriebe weiter vor allem durch Serviceangebote, seien es Convenience-Produkte in der Ladentheke oder Angebote aus dem Bereich des Direktverzehrs bzw. aus dem Partyservice. 
Zufriedenstellend war der Konjunkturverlauf für die Gesundheitshandwerke. 
Das Handwerk für den persönlichen Bedarf lag unter dem Niveau des Vorjahres. Wenn auch die Dominanz des Friseurhandwerks, das unter einer merklichen Zurückhaltung der Kunden zu leiden hatte, in dieser Gruppe das Gesamtergebnis bestimmt, so zeigt sich doch bei genauerer Betrachtung, dass beispielsweise die höherwertigen Konsumgüter der Gold- und Silberschmiede sich stabilisieren konnten. 

Alle Daten finden Sie auch im Internet:
http://www.hwk-suedwestfalen.de/fileadmin/user_upload/redakteur/downloads/Konjunktur/2008-Herbst.pdf 
Den Foliensatz zur Pressekonferenz finden Sie unter
http://www.hwk-suedwestfalen.de/fileadmin/user_upload/redakteur/downloads/Konjunktur/Folien-H-2008.pdf 
Darüber hinaus stellen wir Ihnen folgende Grafik zur Verfügung:
http://www.hwk-suedwestfalen.de/fileadmin/user_upload/redakteur/downloads/Konjunktur/H-2008.jpg 

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