Die Norm passt, ohne einzuengen

- Franz-Josef Bette (l.) und der QM-Beauftragte Theodor Körling freuen sich, dass die Zertifizierung unproblematisch abgelaufen ist.
Brilon, 25.2.2008. Franz-Josef Bette ist Realist: „Unsere Kunden haben eingefordert, dass wir uns zertifizieren lassen.“ Also fiel die Entscheidung zum Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems für die Firma Witte Maschinenbau. Jetzt, nach eineinhalb Jahren harter Arbeit und erfolgreicher Zertifizierung durch die Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DGS GmbH) ist der Firmenchef froh, diesen Weg eingeschlagen zu haben: „Wir haben sehr viel Positives gewonnen und in bestimmten Bereichen hat uns die Zertifizierung sehr viel gebracht.“
Sicherlich, das geben Geschäftsführer Bette und sein Mitarbeiter Theodor Körling, der für die Zertifizierung verantwortlich zeichnet, unumwunden zu, hätten zunächst Befürchtungen bestanden, dass die ISO-Normen dem Betrieb „übergestülpt“ würden. „Wir wollten ja schließlich nicht den Betrieb verändern, sondern optimieren“, so Bette. Doch diese Bedenken räumte der QM-Beauftragte der Handwerkskammer Südwestfalen, Diplom-Ingenieur Christian Albrecht, schnell aus. Die Unternehmer aus Brilon-Altenbüren entschieden sich nämlich dafür, das QM-System intern selbst aufzubauen. Um die notwendigen Kenntnisse zu erwerben, besuchte Theodor Körling, von Haus aus Tischler und technischer Zeichner, einen 80-stündigen Lehrgang, den die Handwerkskammer Südwestfalen regelmäßig anbietet. „Zwischen uns hat die Chemie sofort gestimmt“, lobt Körling die Zusammenarbeit mit Christian Albrecht sowohl im Lehrgang als auch im Nachhinein bei der Umsetzung im Betrieb. Gemeinsam mit dem Kammermitarbeiter habe man Lösungen gefunden, dass die ISO-9001-Norm passt ohne einzuengen. Äußerlich sichtbar dokumentiert sich dieses seit Februar mit zwei Zertifizierungsurkunden durch die DQS GmbH, die den Bürotrakt schmücken. Intern aber wurden Abläufe dokumentiert, hinterfragt und geändert. Dadurch entstand eine größere Transparenz, die ist besonders wichtig, wenn Mitarbeiter wechseln oder ausfallen.
Das 1955 von Heinz Witte gegründete Unternehmen mit derzeit 20 Mitarbeitern und drei Lehrlingen ist überschaubar – ein Familienbetrieb, in dem die Hälfte der Mitarbeiter auch zum Maschinenbauer oder Feinwerkmechaniker ausgebildet wurde. Auch Franz-Josef Bette hat seine beruflichen Wurzeln als Maschinenbaumeister dort, 2003 wurde im Zuge der Nachfolgeregelung der Betrieb in eine GmbH ungewandelt und seitdem ist der 44-Jährige dort Geschäftsführer. Dabei setzt er auf eine schlanke Unternehmensstruktur, beispielsweise erledigt seine Ehefrau Renate die Büroarbeit stundenweise. Dabei kommen der Industriekauffrau ihre Vorkenntnisse zu gute, doch erleichtern ihr nun dank QM einige Neuerungen die Arbeit. So wird beispielsweise bei der Warenannahme die Lieferscheinkontrolle dokumentiert und ein chronologisch aufgebautes Projektnummernsystem macht es einfacher, Kunden und Aufträge zuzuordnen. Dank einer umfangreichen Baumaßnahme im vergangenen Jahr konnte auch die Lagerhaltung verbessert werden, jetzt übersichtlich angeordnet, ordentlich beschriftet und dokumentiert, fällt die Suche nach dem passenden Material leicht.
Das sauerländische Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren sehr gut entwickelt, „seit 1990 ging es steil nach oben“, freut sich Franz-Josef Bette. So werden regelmäßig neue Maschinen gekauft und gut alle sieben Jahre steht eine Erweiterung an. Zwei Millionen Jahresumsatz werden zu 80 Prozent mit sechs großen Kunden erwirtschaftet. Dass der kleine Kundenkreis nicht ganz unproblematisch sein kann, weiß der Geschäftsführer sehr wohl, doch er setzt auf die langjährigen Kontakte, die unter anderem mit der Firma Honsel in Meschede schon seit über 45 Jahren bestehen.
Der Handwerksbetrieb ist in drei Bereichen tätig. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig auf dem Maschinenbau, spezialisiert auf Entgratungsanlagen für Getriebegehäuse und Motorblöcke, die im Druckgussverfahren hergestellt werden. Bei der Entgratung werden Überläufe und Teilungsgrate, die bei der Herstellung entstanden sind, entfernt, Durchbrüche und Bohrungen aufgestanzt. Bis zu zehn Maschinen werden im Jahr in Altenbüren gebaut und für den Kunden komplett installiert, dabei sei jede ein Unikat, wie Bette unterstreicht.
Zudem übernimmt das Unternehmen die komplette Konstruktion von Formen und Werkzeugen. Auch hierbei kommt mit 3-D-CAD-CAM Systemen moderne Computertechnik in der hauseigenen Konstruktionsabteilung zum Einsatz. Daher hält es Franz-Josef Bette auch für besonders wichtig, sowohl regelmäßig in die technische Ausstattung als auch in das Know-how der Mitarbeiter zu investieren. Die dritte Säule des Unternehmens ist die klassische Lohnfertigung nach vom Kunden vorgegebenen Zeichnungen.
70 Prozent der Aufträge kommen aus der Automotive-Branche, 20 Prozent aus der Luft- und Raumfahrtechnik. Hier ist der mittelständische Betrieb aus dem Hochsauerlandkreis dann oftmals in Entwicklungen eingebunden, die auch der Verteidigungstechnik zuzuordnen sind. Beispielsweise steht dafür, dass die Altenbürener Spezialisten den Formenbau für die Spitze des Taurus-Flugkörpers übernommen haben.
www.witte-maschinenbau.de
Text und Bild: Kathrin Dictus


